Ich hielt volle Gesprächswochen für Fortschritt, bis ich die Abschlussquote dahinter ausrechnete
Akquise

Ich hielt volle Gesprächswochen für Fortschritt, bis ich die Abschlussquote dahinter ausrechnete

Von Andreas Loskan5. Oktober 20268 Min. Lesezeit

Ein voller Gesprächskalender fühlt sich produktiv an und sagt nichts über Abschlüsse. Drei Verhältniszahlen zerlegen deine Akquise in ihre Bruchstellen: Anfrage zu Erstgespräch, Erstgespräch zu Auftrag und die Tage bis zur Entscheidung, damit du siehst, an welchem Übergang deine Interessenten abspringen.

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Auf der Akquise-Stufe entscheidet sich, ob aus Interesse Umsatz wird, und sie ist die ehrlichste Stufe der ganzen Landkarte. Hier gibt es kein Verstecken hinter Reichweite oder schönen Systemen. Entweder ein Gespräch führt zu einem Auftrag oder nicht. Entweder du schließt ab oder du redest.

Das ist die Akquise-Stufe, und ihr Verrat ist, dass sie sich nach Aktivität anfühlt. Du telefonierst, du schreibst Angebote, du führst Gespräche, dein Kalender ist voll mit Terminen. Und trotzdem kann am Ende des Monats erstaunlich wenig unterschrieben sein, weil zwischen all den Gesprächen die Anschlüsse fehlen, an denen aus einem Interessenten ein Kunde wird.

Ich habe diese Stufe lange über das Bauchgefühl gesteuert. Ein gutes Gespräch, ein schlechtes, ein Kunde, der nicht zurückkam, alles blieb Anekdote. Erst als ich meine Akquise in drei Verhältniszahlen zerlegte, sah ich, an welcher Stelle genau meine Interessenten verloren gingen. Nicht überall, sondern an einem bestimmten Übergang, und den konnte ich reparieren.

Das Symptom: du redest viel und schließt wenig ab

Du erkennst es an einem vollen Kalender, aus dem wenig Umsatz entsteht. Du führst Gespräche, du erklärst dein Angebot, die Leute nicken freundlich, und dann versanden sie. Kein klares Nein, das dir Klarheit gäbe, sondern ein höfliches Vielleicht, das nie zu einem Ja wird und dich trotzdem in Hoffnung hält.

Ein zweites Zeichen ist, dass du nicht sagen kannst, wo genau deine Interessenten abspringen. Kommen zu wenige überhaupt ins Gespräch? Kommen sie ins Gespräch, kaufen aber nicht? Oder wollen sie kaufen, entscheiden sich nur ewig nicht? Solange du das nicht auseinanderhältst, arbeitest du an der falschen Stelle und wunderst dich, dass sich nichts bessert.

Und dann ist da die stille Verschleppung. Ein Interessent sagt, er müsse noch überlegen, und du lässt ihn ziehen, ohne einen nächsten Schritt, ohne eine Frist. Aus überlegen wird Wochen später Schweigen, und du erzählst dir, das Interesse sei eben nicht groß genug gewesen, dabei ist es schlicht in der Zeit erkaltet, die du ihm gelassen hast.

Das Prinzip: drei Zahlen, die zeigen, wo Kunden verloren gehen

Die Zahl der Gespräche, die du führst, ist die Eitelkeits-Zahl dieser Stufe. Ein voller Akquise-Kalender fühlt sich produktiv an, sagt aber nichts darüber, ob am Ende jemand unterschreibt. Zwanzig Gespräche ohne Abschluss sind kein Fleiß-Beweis, sondern ein teures Signal, dass an einem bestimmten Übergang etwas klemmt.

Drei Verhältniszahlen zeigen dir genau diesen Übergang. Die erste ist die Quote von der Anfrage zum Erstgespräch. Die zweite ist die Quote vom Erstgespräch zum Auftrag. Die dritte ist die Zeit vom Erstgespräch bis zur Entscheidung. Zusammen zerlegen sie deine Akquise in ihre drei Bruchstellen, und statt zu ahnen, dass es hakt, siehst du genau, wo.

Die Schwellen sind Orientierung, keine Naturgesetze, und sie verschieben sich mit deinem Preis. Wer teuer und beratungsintensiv verkauft, hat längere Entscheidungswege als jemand mit einem einfachen Einstiegsangebot. Der Wert der Zahlen liegt darin, dass sie dir die eine undichte Stelle zeigen, an der du ansetzen musst.

Die Benchmark
Ein voller Gesprächskalender ist kein Erfolg. Erfolg ist der Anteil dieser Gespräche, der in einer Unterschrift endet.

Die Übung: so misst und liest du sie

Das kostet dich eine Stunde mit deinen letzten Vorgängen und zeigt dir danach, an welcher Stelle du wirklich arbeiten musst.

Deine drei Zahlen
1

Schritt 1, miss die Quote von der Anfrage zum Erstgespräch

Nimm deine Anfragen der letzten Monate und zähle, wie viele es tatsächlich in ein Gespräch geschafft haben. Über 60 Prozent ist stark und heißt, dein erster Kontakt sitzt. Zwischen 35 und 60 Prozent ist okay, mit Luft nach oben. Unter 35 Prozent verlaufen deine Anfragen im Sand, meist weil zwischen der Anfrage und dem Gespräch zu viel Reibung, zu viel Wartezeit oder ein zu unklarer nächster Schritt liegt.
2

Schritt 2, miss die Quote vom Erstgespräch zum Auftrag

Zähle, wie viele deiner Erstgespräche in einem Auftrag enden. Über 40 Prozent ist ein starker Wert und spricht für ein Angebot, das trifft. Zwischen 20 und 40 Prozent ist brauchbar, aber verbesserungswürdig. Unter 20 Prozent liegt das Problem selten an den Menschen und fast immer am Angebot: Es passt nicht, es ist unklar, oder du sprichst mit den Falschen. Hier prüfst du dein Angebot, nicht deine Gesprächstechnik.
3

Schritt 3, miss die Tage vom Erstgespräch bis zur Entscheidung

Schau, wie lange es im Schnitt dauert, bis nach dem Gespräch eine Entscheidung fällt. Unter sieben Tagen ist gesund, das Interesse ist dann noch wach. Sieben bis 21 Tage sind okay, aber jeder Tag erhöht das Risiko, dass die Sache erkaltet. Über 21 Tage verlierst du Aufträge nicht an Konkurrenten, sondern an die Zeit selbst, und die Antwort ist fast immer, einen klaren nächsten Schritt mit einer echten Frist einzubauen, statt den Interessenten unbegrenzt überlegen zu lassen.

Der nächste Schritt

Ich schreibe das nicht vom Gipfel herab. Ich gehe die Landkarte selbst, Stufe für Stufe, mit offenen Zahlen, und die Akquise-Stufe war die, auf der ich am längsten geraten habe, statt zu messen. Ich hielt volle Gesprächswochen für Fortschritt, bis ich die Abschlussquote dahinter ausrechnete und merkte, wie viel Energie in Gespräche floss, die nie zu einem Ja führen konnten.

Der Punkt ist nicht die einzelne Zahl, sondern dass diese drei dir sagen, an welcher der drei Bruchstellen du stehst. Kommen zu wenige ins Gespräch, kaufen sie nicht, oder entscheiden sie sich nur nicht? Jede dieser drei Schwächen braucht eine andere Antwort, und ohne die Zahlen behandelst du verlässlich die falsche.

Bevor du also mehr Anfragen erzeugst, prüf ehrlich, ob du die, die du schon hast, überhaupt in Aufträge verwandelst. Vielleicht ist deine Akquise gesünder, als das Bauchgefühl sagt. Vielleicht sitzt der Verlust an einem einzigen Übergang, den du bisher nie isoliert hast. Zu wissen, wo dein echter Engpass sitzt, beginnt damit, deine Akquise in ihre drei Zahlen zu zerlegen, statt sie als ein einziges diffuses Gefühl von zu wenig zu erleben.

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Häufige Fragen

Woran erkennst du, dass du viel redest und wenig abschließt?
Du erkennst es an einem vollen Kalender, aus dem wenig Umsatz entsteht. Du führst Gespräche, erklärst dein Angebot, bekommst freundliches Nicken und danach oft nur ein höfliches Vielleicht. Besonders kritisch ist, wenn du nicht sagen kannst, ob zu wenige ins Gespräch kommen, ob Gespräche nicht zu Aufträgen werden oder ob Entscheidungen einfach zu lange dauern.
Welche drei Zahlen zeigen dir, wo Interessenten verloren gehen?
Die Quote von der Anfrage zum Erstgespräch, die Quote vom Erstgespräch zum Auftrag und die Tage vom Erstgespräch bis zur Entscheidung zeigen deine Bruchstellen. Zusammen machen sie sichtbar, ob der Verlust vor dem Gespräch, im Verkaufsgespräch oder in der Entscheidungsphase entsteht. Die reine Zahl deiner Gespräche reicht dafür nicht, weil sie nur Aktivität zeigt, nicht Abschlüsse.
Was bedeutet eine niedrige Quote von der Anfrage zum Erstgespräch?
Unter 35 Prozent heißt, dass deine Anfragen häufig im Sand verlaufen. Der Grund liegt meist nicht im fehlenden Interesse, sondern in zu viel Reibung, zu viel Wartezeit oder einem unklaren nächsten Schritt zwischen Anfrage und Gespräch. Zwischen 35 und 60 Prozent ist okay, aber mit Luft nach oben. Über 60 Prozent zeigt, dass dein erster Kontakt stark funktioniert.
Was solltest du prüfen, wenn Erstgespräche selten zu Aufträgen werden?
Bei weniger als 20 Prozent vom Erstgespräch zum Auftrag solltest du vor allem dein Angebot prüfen, nicht zuerst deine Gesprächstechnik. Das Problem liegt dann selten an den Menschen und fast immer daran, dass das Angebot nicht passt, unklar ist oder du mit den Falschen sprichst. Zwischen 20 und 40 Prozent ist brauchbar, über 40 Prozent ist stark.
Wie lange sollte es vom Erstgespräch bis zur Entscheidung dauern?
Unter sieben Tagen ist gesund, weil das Interesse noch wach ist. Sieben bis 21 Tage sind okay, aber jeder zusätzliche Tag erhöht das Risiko, dass die Sache erkaltet. Über 21 Tage verlierst du Aufträge oft nicht an Konkurrenten, sondern an die Zeit selbst. Dann brauchst du einen klaren nächsten Schritt mit einer echten Frist.
Warum solltest du nicht einfach mehr Anfragen erzeugen?
Mehr Anfragen helfen wenig, wenn du die vorhandenen nicht zuverlässig in Aufträge verwandelst. Erst die drei Zahlen zeigen, ob deine Akquise wirklich zu wenig Nachfrage hat oder ob ein einzelner Übergang undicht ist. Vielleicht kommen genug Menschen zu dir, aber sie springen vor dem Gespräch ab, kaufen nach dem Gespräch nicht oder entscheiden sich zu spät.